Es war der 19. Januar 2026 und mal wieder an der Zeit, dem Sternenpark Westhavelland einen Besuch abzustatten. Zum Einen, um für einen kommenden Workshop ein wenig Location-Scouting zu betreiben und zum Anderen, um ein kleines Deep-Sky-Projekt anzugehen. Was dann aber passierte, hätte ich mir nicht einmal in meinen kühnsten Träumen ausmalen können…
Für jene Nacht, vom 19. auf den 20. Januar 2026, war neben einem klaren Himmel auch ein geomagnetischer Sturm vorhergesagt worden. Genauer gesagt, das Eintreffen eines koronalen Massenauswurfs (CME) der Sonne, der eine hohe geomagnetische Aktivität hervorrufen könnte. Auslöser war ein X-Flare, der sich am 18. Januar auf der Sonne ereignete (siehe ESA-Video der Eruption). Ich weiß noch, als ich die Benachrichtigung der App SpaceWeatherLive von diesem Flare am Sonntag-Abend (18. Januar) bekam, hoffte ich inständig, dass die Geschwindigkeit des CME’s und somit das Timing passen würde. Bei ungünstigem Timing könnte der CME nämlich auch tagsüber bei der Erde eintreffen, und wir in Mitteleuropa würden in die Röhre schauen. Dafür würden sich die Kanadier und Amerikaner wieder freuen… wenn denn überhaupt etwas kommt.
Da für die kommende Nacht (19. Januar) also ein super klarer Himmel vorhergesagt wurde, entschied ich mich, so oder so herauszufahren und zu gucken, ob ich bis zum Eintreffen des CME’s durchhalten würde. Denn die Vorhersage bei meiner Abfahrt in den Sternenpark sagte, dass der CME so gegen 2 Uhr/3 Uhr eintreffen würde. Was für eine Winternacht schon ein ordentliches Brett wäre, da zu dieser Zeit im Jahr die astronomische Dämmerung bereits gegen 18:30 Uhr zu Ende ist und es somit ein Warten von 8 Stunden (!) bedeuten würde. Aber man weiß ja nie, dachte ich mir…
Gerade noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang angekommen, orientierte ich mich erstmal an der Location. Denn an dieser war ich bereits mehrere Jahre nicht mehr gewesen. Nach ein paar Checks mit PhotoPills baute ich meine Nachführung, eine Skywatcher NEQ-3, auf. Auf dieser sollte meine Canon 760D (astromodifiziert) im Idealfall ein paar Stunden Belichtungszeit des Orionnebels sammeln. Genauer gesagt von der Umgebung des Orionnebels. Denn auch wenn der Orionnebel bereits spannend genug ist, befinden sich um ihn herum weitere zahlreiche Nebelgebiete, die ich auf einer tiefen Aufnahme hoffentlich ebenfalls sichtbar machen könnte. Darunter auch der berühmte Pferdekopfnebel.
Nach Ende der astronomischen Dämmerung startete ich die Aufnahme-Serie für das Deep-Sky-Bild und machte mich auf, mit meiner noch beschäftigungslosen Vollformatkamera einen Zeitraffer aufzunehmen. Als auch die Kamera beschäftigt war und regelmäßig in der Dunkelheit und Stille des Sternenparks klackte, war es an der Zeit für mich, den winterlichen und klaren Sternenhimmel, mit einem kleinen Abendsnack in der Hand, zu genießen.
Nach gut einer Stunde Zeitraffer, sammelte ich die Kamera wieder ein und suchte nach weiteren möglichen Zeitraffer-Motiven. Als ich mich im Zuge dessen Richtung Norden orientierte, bemerkte ich einen schwachen aber klar erkennbaren rötlichen Schimmer am Nordhorizont, der schnell deutlicher wurde. “Es geht los!”, war mein erster jubelnder Gedanke, den ich bestimmt auch laut ausgesprochen hatte… 😉

Um Fremdlicht in den Aufnahmen zu vermeiden, platzierte ich die Kamera möglichst weit weg von der Straße und von mir, mit passenden Bäumen im Vordergrund und hoffte inständig, dass die Powerbank für die Objektivheizung und auch der Kamerakku selber möglichst lange durchhalten würden. Bevor ich den Zeitraffer endgültig startete, machte ich noch ein Panorama von der Szenerie, wie sich das Polarlicht aufbaute:

Dann begann eine Show, die nicht mehr von dieser Welt war. Das Polarlicht wurde immer heller und großflächiger und breitete sich nahezu am halben Himmel aus. Es strahlte, fluktuierte, waberte und war so hell, dass die Farben ohne Probleme mit bloßem Auge zu sehen waren. Ich eilte zum Auto zurück und aktivierte meine Drittkamera und begann zu filmen, weil ich vor lauter Adrenalin nicht so recht wusste, was ich sonst machen sollte. Die anderen Kameras liefen ja bereits. 😀
Das Polarlicht war in der Nacht keineswegs nur ein Nordlicht, denn es breitete sich bis an den Südhimmel aus und zog in grünen Wellenstrukturen durch meine Deep-Sky-Session. Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass meine Bilder Richtung Orion vom Polarlicht beeinflusst werden könnten. Um das zu veranschaulichen, habe ich hier mal ein unbearbeitetes Einzelbild aus der Serie genommen. Es zeigt wunderbar den Farbgradienten durchs Bild; Süden ist dabei rechts, Norden links.

Schlussendlich lassen sich die Emotionen dieser Nacht wohl kaum in Worte fassen. Da ich ohnehin geplant hatte, einen kleinen Astro-Vlog zu drehen, konnte ich das Polarlicht glücklicherweise auch in Echtzeit festhalten. Wenn man sich das Video anschaut, hört man meine Begeisterung an vielen Stellen wohl ziemlich deutlich heraus. 😉
So sind in dieser Nacht am Ende nicht nur die geplanten Aufnahmen des Orion entstanden, sondern auch Polarlicht-Bilder, wie sie in dieser Intensität wohl noch lange eine Seltenheit bleiben werden.

Jetzt wünsche ich viel Spaß mit dem Video und hoffe, dass ich Euch ein Stück weit mitnehmen konnte – zu den Polarlichtern im Sternenpark Westhavelland. 🙂
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