Story zum Foto – Teil 5: Mein erstes visuelles Polarlicht

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Es war der 17. März 2015. Ich stand am späten Nachmittag am Berliner Hauptbahnhof und wartete auf den IC nach Stralsund. Grund für die Reise war die partielle Sonnenfinsternis am 20. März, die ich bei meinen Großeltern auf Rügen beobachten wollte. Während der Wartezeit vetrieb ich mir die Langeweile mit „Daddeln“ am Smartphone. Ich surfte durch diverse Wetterberichte, denn man ist schon etwas aufgregt, ein paar Tage vor so einem Großereignis am Himmel. Auf einer Internetseite fand sich dann sogar ein etwas anderer Wetter-Hinweis: „Eventuell Polarlicht in Horizontnähe möglich“. Nach etwas Recherche in diversen Foren und Facebook-Gruppen stand dann tatsächlich fest: In der kommenden Nacht kann man Polarlicht über Deutschland beobachten. Meine Aufregung stieg ins Unermessliche, plötzlich war die Sonnenfinsternis in ein paar Tagen vergessen.
In Gedanken checkte ich die Rahmenbedingungen: Fotoequipment habe ich ja sowieso dabei…es geht weiter in den Norden, was bei Polarlichtern eh besser ist, also Sichtbarkeit aus der ersten Reihe sozusagen…und das Wetter, achja, was sagt der Wetterbericht? Wolkenlos! Perfekt!
Während der gesamten Zugfahrt verfolgte ich das Geschehen im Netz und konnte es kaum Abwarten, bei meinen Großeltern anzukommen. Vom Stralsunder Hbf holten mich mein Opa und meine Schwester ab. Der Zugverkehr auf die Insel war aufgrund von Bauarbeiten unterbrochen.
Endlich angekommen, fiel die Begrüßung relativ knapp aus, denn ich wollte schnellstmöglich raus unter den Sternenhimmel. Ein paar Meter mussten noch gemacht werden, denn einen freien Blick zum Nordhorizont gibt es vom Grundstück meiner Großeltern nicht. Aber schon auf dem Weg durchs Wäldchen bis an die Lichtung bemerkte ich einen hellen Schein in Richtung Norden, als wenn dort eine Großstadt ihre Lichtverschmutzung in den Himmel abstrahlen würde. An der Lichtung angekommen, stellte ich meine Kamera auf, fokussierte auf Unendlich und drückte auf den Auslöser. Und da war es, das erste Polarlicht welches ich mit dem bloßen Auge wahrnehmen (deswegen visuell) und fotografisch festhalten konnte. Und das von Rügen aus. Weil es ziemlich breit ausgeprägt war, reichten meine 18mm Brennweite nicht ganz aus. Ich machte also ein Panorama aus 3 Einzelaufnahmen.

polarlicht rügen panorama

| Canon 500D | Canon 18-55mm @ 18mm | f/3.5 | 30 Sek. | ISO 1600 | Panorama

 

 

Tom Radziwill

ist begeisterter Landschafts- und Astrofotograf. Auf seinem Blog berichtet er von seinen Reisen, Erlebnissen und der Entstehung der Bilder. Sein Motto: "Jedes Bild hat seine eigene Geschichte."

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Susanne Jupe

    Richtig toll geworden! Deine damalige Aufregung kann ich gut nachvollziehen. Wahrscheinlich hätte ich meine Angehörigen gar nicht mehr begrüßt, damit ich sofort zur ausgewählten Stelle kommen kann. 😃 Ich hoffe, dass ich auch mal in den Genuss solcher Polarlichter kommen werde.

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