20. April: Abwechslungsreich mit „Deep-Sky“-Fotografie

Wie schon im Februar liegen auch zwischen beiden April-Ausflügen in den Sternenpark Westhavelland genau eine Woche. Ich wählte auch wieder den Beobachtungsplatz vom letzten Mal. Und als Begleitung hatte ich dieses Mal den Michael und den Marco dabei. Michael habe ich über Facebook kennengelernt. Er ist hauptsächlich in der Landschafts- bzw. Naturfotografie unterwegs. Marco habe ich hingegen auf einem Sternfreundetreff in Berlin kennenglernt. Wir teilen das Hobby der Astrofotografie. Also war es dieses mal wieder eine komplett neue Besetzung. Aber egal mit wem, es macht immer wieder Spaß und ich freue mich über die wechselnde Begleitung.

Zum Sonneuntergang angekommen, ging es wieder erstmal darum, die blaue Stunde einzufangen. Dies versuchte ich wieder in einer Zeitraffer-Sequenz. Wenn aber so ziemlich keine Wolken am Himmel sind, ist dieser auch ziemlich unspektakulär. Zum Glück waren aber ein paar Schleierwolken zu sehen, so dass wenigstens ein bisschen Bewegung im Zeitraffer zu sehen ist. Aber auch die abendlichen Farben waren mal wieder schön anzuschauen. 😉

Noch während der blauen Stunde bot sich der zunehmende Mond als Beobachtungsobjekt und Fotomotiv an. Da passte es auch, dass ich zurzeit eine gute Montierung (Celestron AVX) eines Astrokollegen ausgeliehen bekommen habe. Dieser ist für ein halbes Jahr in Kanada und hat mir für die Zeit freundlicherweise die Montierung inkl. Zubehör und einen 400mm-Apochromaten zur Verfügung gestellt. Danke nochmal an der Stelle an Alex! 🙂 Auf dem Clear Sky-Blog schreibt Alex übrigens auch ein paar Artikel zu seinem Kanada-Aufenthalt. Hier könnt ihr euch dazu belesen.
Mit dem 400mm-Apo hielt ich nun also in der fortschreitenden Dämmerung auf den Mond. Und die Qualität der Optik machte sich auch gleich positiv bemerkbar.

Danach wurde es allmählich dunkler und auch ziemlich klar. So nutzte ich die Gelegenheit, um mit dem Apo noch tiefer ins All zu blicken und machte ein paar Belichtungen auf das Leo-Triplett, einer kleinen Galaxiengruppe im Sternbild Löwe, die ca. 35 Millionen Lichtjahre entfernt ist. Es ist doch immer wieder erstaunlich und atemberaubend, wenn Photonen aus solch einer Entfernung auf meinen Kamerasensor treffen. Insgesamt machte ich 34 Bilder mit jeweils einer Minute Belichtungszeit. Natürlich ist das für solch schwache Deep-Sky-Objekte wahrlich nicht viel, aber mir geht es auch nicht um das perfekte Foto, denn da wäre ich wohl fast eine gesamte Nacht mit nur einem Objekt beschäftigt. Das Ergebnis ist hier zu sehen und ich bin für die kurze Belichtungszeit eigentlich recht zufrieden. Besonders eindrucksvoll ist die Galaxie rechts: Auf diese Galaxie schauen wir ziemlich direkt von der Seite rauf und die Spiralarme erscheinen hier als dunkle staubhaltige Wolken vor dem hellen Zentrum der Galaxie.

Motiviert von dem Ergebnis hielt ich noch nach anderen schönen Deep-Sky-Objekten Ausschau. Diese sind für eine Brennweite von 400mm aber dann doch eher überschaubar am Frühlingshimmel. So wählte ich den Kugelsternhaufen M13. Dieser ist zwar mit der größte seiner Art am Himmel, aber mit 400mm ist es dann doch eher ein Weitwinkel-Porträt von ihm. Aber hey, auch seine Photonen konnte ich sammeln. Und bei der Bearbeitung musste ich aufpassen, dass der Kern des Kugelsternhaufens nicht „ausbrennt“, also aufgrund seiner Helligkeit nicht rein weiß wird. Dieser Kugelsternhaufen enthält mehrere 100.000 gravitativ gebundene Sterne und ist „nur“ 25.000 Lichtjahre entfernt. Aufmerksame Betrachter können im Bild sogar noch eine Galaxie entdecken (auf ca. 7 Uhr vom Kugelsternhaufen aus). Es handelt sich dabei um die Galxie NGC6207, dessen Licht 30 Millionen Jahre durchs All gebraucht hat, um auf meinen Kamerasensor zu gelangen. Nochmal so als Hausnummer. 😉

Dann war es auch schon bereits nach 1 Uhr und die Milchstraße ging langsam auf. Leider war es Richtung Horizont sehr diesig, sodass vieles von der Milchstraße mit bloßem Auge verloren ging. Fotografisch versuchte ich den Dunst mit einer nachgeführten Aufnahme „auszutricksen“ (2 Minuten bei 11mm Brennweite). Die Milchstraße kommt dabei ganz gut heraus und mit dem Licht der entfernten Städte ergibt das einen recht hübschen Farbkontrast:

Für den weiteren Aufgang der Milchstraße stellte ich wiederum eine Kamera inklusive Nachführeinheit auf, um das langsame Emporsteigen der Milchstraße einzufangen. Hier ist ein Einzelbild davon zu sehen:

Der Zeitraffer in Bewegung ist bei mir auf Instagram zu finden: https://www.instagram.com/p/Bh9KzYtntJL/?taken-by=tom.radziwill_fotografie
Am Ende des Zeitraffers sind bereits hereinziehende Wolken zu sehen. Diese machten dann den Rest der Nacht ziemlich unbrauchbar. Lediglich eine Lücke nutzte ich noch für ein paar Detailaufnahmen in Richtung Milchstraße. Bei der einen hatte ich sogar Glück mit einem Iridium-Satelliten, der durch das Bild flog.

Danach lohnte es sich wirklich nicht mehr und wir machten ein Nickerchen, bis zum Sonnenaufgang. Michael war der erste, der wieder auf den Beinen war. Und im Halbschlaf merkte ich, dass jemand versuchte mich anzurufen. Es war Michael, der bereits wieder in der Landschaft unterwegs war und nach Motiven in der Morgenstimmung suchte. Die Wolken aus der Nacht waren jedenfalls noch da. Und das wäre ja für den Sonnenaufgang gar nicht schlecht. Ich stieg also aus dem Auto und machte eine Aufnahme des Morgenrots:

Schließlich ging dann kurz nach 5 Uhr die Sonne auf. Michael borgte mir freundlicherweise kurz sein Teleobjektiv, damit ich den Sonnenaufgang auch noch gelungen in Szene setzen konnte. Marco machte derweilen auf Langschläfer. 😉

So ging eine abwechslungsreiche und fotoreiche Nacht im Sternenpark zu Ende.

Fotos vom Michael seht ihr übrigens regelmäßig bei Facebook und Instagram.
Und Fotos von Marco findet ihr bei Facebook und/oder auf seiner Webseite. Ein herzliches Dankeschön an beide nochmal für die Begleitung und auf ein nächstes Mal! 🙂

 

Tom Radziwill

ist begeisterter Landschafts- und Astrofotograf. Auf seinem Blog berichtet er von seinen Reisen, Erlebnissen und der Entstehung der Bilder. Sein Motto: "Jedes Bild hat seine eigene Geschichte."

Tom Radziwill

ist begeisterter Landschafts- und Astrofotograf. Auf seinem Blog berichtet er von seinen Reisen, Erlebnissen und der Entstehung der Bilder. Sein Motto: "Jedes Bild hat seine eigene Geschichte."

3 Gedanken zu „20. April: Abwechslungsreich mit „Deep-Sky“-Fotografie

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